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NWZ-Artikel, Dezember 2001

Die große Holztür des roten Backsteinbungalows wird von einer Frau mit kurzem blondem Haar geöffnet. "Bitte kommen Sie doch herein", sagt sie und lädt mit einer Handbewegung ein, die Diele zu betreten. Über den Flur führt sie den Besucher ins Wohnzimmer, eine dunkle Couchgarnitur, Holzfußboden, Sitzecke und Kamin und ganz viel Weihnachtsschmuck. Genau in der Mitte des Raumes steht das Bett aus Eisenrohren auf Gummirädern. Auf dem Bett liegt Jerzy Hawrylewicz, zuletzt ausgeübter Beruf: Fußball-Profi. Seine Augen bewegen sich, haben aber kein festes Ziel, er rührt sich nicht.
"Möchten Sie eine Tasse Kaffee", fragt Ewa Hawrylewicz, Ehefrau des Fußballers, der für den VfB Oldenburg in der Zweiten Liga spielte. Sie zeigt auf die Sitzecke. Jerzy Hawrylewicz ist am Sonnabend 43 Jahre alt geworden. Im April 1992 war er bei einem Spiel der VfB-Amateure zusammengebrochen, sein Herz stand mehrere Minuten still. Es kam es zu Sauerstoffmangel in Hawrylewcz' Gehirn. Er lag einige Tage auf der Intensivstation, nach zwei Wochen kam er nach Hause. An dem Esstisch sitzen Regina Neumann, Mutter von Jerzy Hawrylewicz, und Kasimir Jablonski, ehemaliger VfB-Masseur, der ihn therapiert. "Wir ergreifen prophylaktische Maßnahmen, damit Jerzys Gelenke beweglich bleiben", erzählt Jablonski. Hawrylewicz befindet sich in einem schlafähnlichen Zustand. "Wir reizen das vegetative Nervensystem, damit seine willkürliche Motorik zurückkommt", sagt Jablonski.
Es werden Bilder von der Kommunion von Monika, der jüngsten Tochter von Ewa und Jerzy Hawrylewicz, gezeigt. Dann sind da noch Joanna, sie ist zwanzig, und Lukasz, er ist neunzehn. "Schauen Sie, wenn er fotografiert wird, setzt er sich gerade hin. Er kann sich doch benehmen", sagt Ewa Hawrylewicz und lacht. Es sind die kleinen Erfolge, die Hoffnung machen. "Ich glaube, er reagiert", sagt sie. "Lukas geht immer noch zum VfB. Wenn er Jerzy erzählt, dass der Verein gut gespielt hat, erkenne ich ein Lächeln." Sie hat ihren Beruf als Krankenschwester nicht aufgeben hat. Bei der Pflege helfen ihr die Kinder und Familienangehörige, die regelmäßig für sechs Wochen aus Polen nach Oldenburg kommen. "Es ist immer jemand für Jerzy da. Trotzdem kann jeder eigene Sachen machen oder mit Freunden weggehen." Hilfe kam und kommt auch von außen: Ehemalige Mannschaftskameraden spenden und organisieren Benefizspiele, viele andere Sportler engagieren sich. "Ich bin allen sehr dankbar, die an uns gedacht, die sich gemeldet und die gespendet haben", sagt Ewa Hawrylewicz. "Es ist schön, dass sie alle Jerzy nach so vielen Jahren immer noch in guter Erinnerung haben."

Spendenkonto: Konto 1 248 282 400 bei der Oldenburgischen Landesbank (Bankleitzahl 280 200 50).

[Quelle: NWZ
Autor: Lars Pingel]